Wie erstelle ich einen realistischen Kostenvergleich zwischen Eigenleistung und Handwerker?

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Wie erstelle ich einen realistischen Kostenvergleich zwischen Eigenleistung und Handwerker?

Ein realistischer Kostenvergleich zwischen Eigenleistung und Handwerker scheitert oft nicht an der Kalkulation selbst, sondern an der unvollständigen Erfassung der eigenen Ressourcen. Beginnen Sie damit, alle anfallenden Arbeitsschritte präzise aufzulisten und schätzen Sie für jeden Schritt die benötigte Zeit ehrlich ein – inklusive Anfahrt, Materialbesorgung, Einarbeitung und Aufräumen. Vergessen Sie dabei nicht, dass Heimwerker in der Regel nur halb so schnell arbeiten wie ein Profi, der diese Tätigkeit täglich ausführt. Bewerten Sie Ihre eigene Arbeitszeit mit dem Nettostundenlohn, den Sie in Ihrem Beruf verdienen, oder mit dem Satz, den Sie für Überstunden ansetzen würden. Nur so wird der Kostenvergleich fair, denn Ihre Freizeit hat einen realen Wert, auch wenn Sie sie nicht direkt verrechnen. Kritisch ist zudem die Werkzeugfrage: Besitzen Sie bereits alle notwendigen Maschinen und Spezialwerkzeuge, oder müssten Sie diese für teures Geld anschaffen beziehungsweise mieten? Bei einer einmaligen Aktion schlägt die Anschaffung deutlich zu Buche und verschiebt die Waage schnell Richtung Profi.

Im nächsten Schritt kalkulieren Sie die Materialkosten, aber achten Sie auf Unterschiede in Qualität und Mengenrabatten. Handwerker erhalten über ihre Lieferanten oft günstigere Einkaufskonditionen, geben diese aber nicht immer vollständig an Sie weiter – hier haben Sie beim Selbermachen einen Vorteil, wenn Sie Angebote vergleichen. Allerdings droht eine typische Falle: Laien kaufen zu viel Material ein, messen falsch oder benötigen Restposten, die sich nicht verwerten lassen. Rechnen Sie daher einen Verschnitt von zehn bis fünfzehn Prozent für Fliesen, Holz oder Dämmmaterial ein, während Profis diesen Verlust durch Erfahrung minimieren. Ein weiterer Posten, der im Kostenvergleich oft fehlt, sind die sogenannten Nebenleistungen: Entsorgungskosten für Bauschutt, Fahrtkosten zum Baumarkt, Verpflegung auf der Baustelle sowie der erhebliche Zeitaufwand für Planung und Fehlerkorrektur. Ein einziger verpfuschter Anstrich oder eine schief gesetzte Fliese kann den gesamten wirtschaftlichen Vorteil zunichtemachen. Unterschätzen Sie auch nicht den Kraftaufwand: Körperliche Erschöpfung am Wochenende und eine verlängerte Projektdauer führen schnell zu Frust und halbherzigen Ergebnissen, die später teure Nachbesserungen erfordern.

Um zu einer belastbaren Entscheidung zu kommen, erstellen Sie zwei Tabellen mit denselben Positionen: einmal für die Eigenleistung mit allen ehrlich kalkulierten Stunden und Anschaffungen, einmal für den Handwerker mit dessen Angebot, das Sie um erforderliche Zusatzleistungen wie Gerüst oder Abschleifen ergänzen. Addieren Sie zu jedem Angebot eine Pauschale von zehn Prozent für Unvorhergesehenes – beim Eigenprojekt eher zwanzig, denn  hier  sind Überraschungen häufiger. Vergleichen Sie dann die Summen, aber denken Sie daran: Ein Kostenvergleich ist nur eine Perspektive. Rechnen Sie zusätzlich den Zeitraum bis zur Fertigstellung hoch: Wenn der Handwerker in vier Tagen abschließt, Sie aber sechs Wochenenden benötigen, hat Ihr Projekt einen langen Zeitwert, etwa entgangene Nutzung eines Raumes oder Zusatzmiete. Dieser zweite Kostenvergleich beantwortet die Frage, ob Sie sich die Einsparung durch Eigenleistung in barer Münze leisten können, gemessen an Ihrer Lebenszeit. Eine pragmatische Regel lautet: Bei einfachen, repetitiven Tätigkeiten wie Streichen oder Verlegen von Fertigparkett lohnt sich Eigenleistung eher, bei komplexen Gewerken wie Elektrik oder Nasszellen spricht trotz höherer Stundensätze viel für den Profi – denn dessen Versicherung und Gewährleistung geben Ihnen Sicherheit, die kein noch so genauer Kostenvergleich abbilden kann.