Die schiefe Wand im Altbau ist kein Makel, sondern eine Patina der Baugeschichte, die sich jedoch nur dann harmonisch in Ihr Raumkonzept einfügt, wenn Sie sie gekonnt kaschieren. Bevor Sie jedoch zu Spachtel und Glättkelle greifen, sollten Sie den Zustand des Untergrunds genau prüfen. Bei der altbausanierung stoßen Sie oft auf rissigen Putz, lose Stellen oder sogar feuchte Bereiche, die vor jedem Ausgleich zwingend saniert werden müssen. Klopfen Sie die Wand gründlich ab, entfernen Sie alle lockeren Teile und grundieren Sie die Fläche mit einem tiefenwirksamen Haftgrund. Für den reinen Höhenausgleich von bis zu etwa zwei Zentimetern eignet sich eine selbstverlaufende Ausgleichsmasse, die Sie dünnflüssig anrühren und mit einer Glättkelle gleichmäßig auftragen. Arbeiten Sie zügig, denn die Masse beginnt schnell anzuziehen, und kontrollieren Sie mit einer Richtlatte, ob sich das Gefälle wie gewünscht einebnet. Bei starken Unebenheiten von über zwei Zentimetern ist es ratsam, in mehreren Schichten zu arbeiten; lassen Sie jede Lage vollständig trocknen, bevor Sie die nächste auftragen.
Entscheiden Sie sich hingegen für eine Abdeckung mit einer Holzvertäfelung oder einer Verkleidung aus Gipskarton, wird die Wand mithilfe einer Unterkonstruktion im Lot aufgerichtet, wobei das Prinzip des Lattenrosts aus dem Bettenbau hier zur Geometrie der Wand wird. Sie montieren zunächst eine gerade Grundlatte am höchsten Punkt der Wand als Referenz und setzen dann weitere Lattungen im Abstand von etwa sechzig Zentimetern, die Sie mit Ausgleichskeilen oder Distanzschrauben exakt lotrecht ausrichten. Diese Methode hat den Vorteil, dass Sie zugleich einen Hohlraum schaffen, der sich ideal für die verdeckte Führung von Elektroleitungen oder die Integration einer Dämmung nutzen lässt, was bei der altbausanierung den energetischen Wert spürbar verbessert. Achten Sie beim Verschrauben der Latten darauf, dass Sie in der darunterliegenden Bausubstanz sicheren Halt finden, verwenden Sie also entsprechende Dübel für Mauerwerk. Prüfen Sie jede Latte zweifach mit der Wasserwaage – einmal in Längsrichtung und einmal über die Frontalfläche –, denn nur so entsteht später eine makellos ebene Fläche, auf der sich die Verkleidung ohne Spannungen befestigen lässt.

Der Abschluss der Arbeiten erfordert Geduld und Sorgfalt, denn die Nahtstellen zwischen den Platten oder Brettern wollen exakt verspachtelt sein, um ein Rissbild zu vermeiden. Tragen Sie die Fugenmasse in mehreren dünnen Lagen auf, schleifen Sie die Übergänge nach dem Trocknen mit feinem Korn und ziehen Sie anschließend eine gleichmäßige Grundierung über die gesamte neue Wandoberfläche. Denken Sie daran, dass sich Holz- oder Gipsplattenverkleidungen bei Temperaturschwankungen minimal ausdehnen; lassen Sie deshalb an den Rändern zu benachbarten Wänden und zur Decke eine schmale Dehnungsfuge, die Sie mit einem elastischen Dichtstoff schließen. Im Zusammenspiel mit der Ausgleichsmasse auf den noch verbleibenden Wandabschnitten schaffen Sie so eine optisch perfekte, vertikal ausgerichtete Zimmerkontur, die keine schiefe Ecke mehr erkennen lässt. Details ansehen verlangt zwar einiges an handwerklichem Geschick, doch gerade bei der altbausanierung belohnt es Sie mit einem Ergebnis, das den Charakter des Raumes bewahrt und ihm zugleich eine neue, geradezu architektonische Präzision verleiht, auf die Sie lange Freude haben werden. Prüfen Sie abschließend alle Übergänge, streichen Sie Unebenheiten mit einer feinen Schleifbewegung aus und genießen Sie das beruhigende Gefühl, ein Stück Baugeschichte harmonisch in die Gegenwart geholt zu haben.